Das brennende Gefühl im Magen, das sich oft bis zum Rachen ausbreitet, ist vielen Menschen bekannt. Dabei steigt die Magensäure in die Speiseröhre auf, die im Gegensatz zum Magen über keinen Schutz gegen die aggressive Säure verfügt. Dadurch entsteht das schmerzende Gefühl.
Die Auslöser für Sodbrennen sind der modernen Medizin weitgehend bekannt. Dazu zählen beispielsweise fettige Speisen, sehr scharfes, saures oder süßes Essen sowie Alkohol und Koffein.
Moderne Ernährung und Sodbrennen als natürliche Reaktion
Eine der Hauptursachen ist die falsche Ernährung. Dabei geht es nicht um die klassischen süßen oder sauren Speisen, sondern um die allgemeinen Gewohnheiten unserer modernen Ernährung. Unsere steinzeitlichen Vorfahren hatten kein Sodbrennen, wie wir es kennen. Denn es gab weder Lebensmittel, die den pH-Wert des Magens so stark beeinträchtigten wie heutige Lebensmittel, noch fragwürdige Nährstoffzusammensetzungen oder unnatürliche und unausgeglichene Fettprofile.
Unser Körper und somit auch unser Magen sind die modernen Lebensmittel mit ihren Zutaten und Fettkonzentrationen, die innerhalb der evolutionären Zeitspanne des Menschen nicht verarbeitet wurden, nicht gewohnt. Der moderne Mensch hat somit die schwierigste Aufgabe in der Evolution erhalten. Er muss den technischen Fortschritt der Moderne ausbügeln, während die Evolution hinterherhinkt, bis sich der Körper schließlich angepasst hat und seine Nachkommen die (noch ungesunde) Nahrung irgendwann ohne starke Nebenwirkungen genießen können.
Dass sich der Druck des Magenschließmuskels bei proteinreicher Nahrung erhöht und bei fettiger Ernährung lockert, ist keine Zufallserscheinung, sondern eine biologische Anpassung an die Ernährung im Paläolithikum. Der menschliche Magen ist nicht auf die Verdauung großer Fettquellen pflanzlichen (oder gar industriellen) Ursprungs ausgelegt. Da tierische Nahrung jedoch immer auch viel Protein beinhaltet, ist die Reaktion des Magens für diesen Verdauungsprozess optimiert. Daher bekommen Menschen heute oft Sodbrennen, wenn sie rein fettige Nahrung zu sich nehmen. Auch Pommes oder Wurst in der modernen Zubereitung sind für den Magen »neue« Lebensmittel und eine Herausforderung. Dabei weichen die Fettquelle und die Fettqualität stark von den Gewohnheiten des Körpers ab.
Der Magen ist gute Omega-3-Fette gewohnt, die er benötigt, um die Schleimhäute zu regenerieren und entzündungshemmend zu regulieren. Stattdessen bekommt er in unserer Zeit jedoch hauptsächlich Omega-6-Fette. Würden wir den Weidetieren mehr Auslauf gewähren oder sie gar zum »Sport« zwingen, wie es bei Wildtieren der Fall ist, dann würden sie uns auch wieder die gesünderen Fette liefern. Selbst heute weisen Wildtiere bessere Fettprofile auf. Nach Fisch ist Wildhirschfleisch heute die zweitbeste Fleischquelle. Nicht, weil es ein Hirsch ist, sondern weil es sich bewegt.
Neben der künstlichen Ernährung ist auch unsere eigene mangelnde Bewegung und muskuläre Aktivität eine Hauptursache. Wie alle Organe im Körper ist auch der Magen auf die Stärke der Wirbelsäule angewiesen. Andernfalls wirkt sich die Last der jeweiligen Wirbelknochen auf das gegenüberliegende Organ aus. Menschen, die viel sitzen und dabei eine ungesunde Sitzhaltung einnehmen, leiden daher oft unter Sodbrennen. Die einfachste Abhilfe ist, den inneren Schweinehund zu bezwingen, Sport zu treiben und mit Muskeltraining zu beginnen, da dies einer Schwächung des Schließmuskels langfristig vorbeugen kann.
In einem dokumentierten Fall von chronischem Sodbrennen konnte nahegelegt werden, dass sich die Beschwerden allein durch eine Umstellung auf eine natürliche Ernährung wie bei den steinzeitlichen Vorfahren und durch Muskeltraining der Rückenmuskulatur beseitigen ließen. In diesem Fall reagierte der Magen sehr positiv auf gewöhnliche Lebensmittel, an die er angepasst ist, und zeigte fast immer starkes Sodbrennen bei Lebensmitteln der modernen Zeit. Dabei waren nicht allein Zucker und Süßstoffe die Hauptfaktoren, sondern das ungewohnte Fett erwies sich als Hauptproblem.
In diesem Fall konnte gezeigt werden, dass allein Fisch als Fettquelle aufgrund seines Omega-3-Gehalts das Sodbrennen massiv senkte, während andere Fleischsorten keinen Einfluss darauf nahmen oder es gar verschlimmerten. Die Einnahme von Omega-3-Präparaten hat sich außerdem als weniger effektiv erwiesen, da sie Nebenwirkungen verursachte und den Magenschließmuskel schwächte. Dies ist auf die Einnahmeform zurückzuführen, an die der Magen ebenfalls nicht gewöhnt ist. Pures, extrahiertes Fett ohne weitere Bestandteile wie Protein, wie es üblicherweise in natürlichen Lebensmitteln vorkommt, zeigte grundsätzlich eine hohe Nebenwirkungsrate.
Die Umstellung auf steinzeitlich natürliche Ernährung führte zu einer deutlichen Verbesserung und deutet darauf hin, dass der Körper nur das benötigt, woran er gewöhnt ist. Diese Beobachtung erfordert jedoch eine Validierung durch größere, kontrollierte Studien.
Bedeutung von Omega-3 Fetten
Der Magen ist stark auf Omega-3-Fette angewiesen. Während Omega-6-Fette, die wir heute vorwiegend zu uns nehmen, Entzündungen im Körper erhöhen und somit auch die Produktion von Magensäure anregen, da der Körper in den »Kampfmodus« umschaltet, senken Omega-3-Fette diese Werte und bringen den Körper in einen weniger entzündlichen bzw. aggressiven Zustand. Dies wirkt sich unmittelbar auf die Magensäureproduktion und die Regeneration der Schleimhaut aus.
In der Evolution hat sich der Magen an ein einfaches Szenario angepasst: Sichere Nahrung und unsichere Nahrung.
Unsichere Nahrung bedeutet eine höhere Magensäureproduktion und eine aggressive, entzündliche Reaktion des Körpers. Dabei schaltet der Körper nicht willkürlich um, sondern die Lebensmittel dienen als Indikatoren. Das Problem hierbei ist, dass der Körper bestimmte Lebensmittel und Zubereitungsformen heute als »unsicher« erkennt, weil er schlichtweg nicht an diese gewöhnt ist.
Um diesen Mechanismus besser zu verstehen, ist eine genauere Erforschung der Ernährung im Paläolithikum erforderlich. Denn es ist entscheidend, welche Lebensmittel damals sicher waren und somit heute als magenfreundlich durchgehen.